Die Geschichte des Kölner Domblatts

„Amtliche Mittheilungen des Central-Dombau-Vereins, mit geschichtlichen, artistischen und literarischen Beiträgen, herausgegeben vom Vorstande“ – so lautete der Untertitel des 1842 erstmals erschienenen Vereinsorgans. Die erste Ausgabe der ältesten in Deutschland noch erscheinenden Zeitschrift mit kunsthistorischem Schwerpunkt war vier Seiten stark, auf Zeitungspapier gedruckt und wurde sonntags als Beigabe der „Kölnischen Zeitung“ unter die Leute gebracht – eine kostenfreie Unterstützung durch das Verlagshaus DuMont-Schauberg.

Auf Seite 1 erfuhren die Leser Sinn und Zweck der Publikation: Der „amtliche Theil“ enthielt „Protokolle, Berichte, Anzeigen, Bekanntmachungen, Aufforderungen u.s.w. des Central-Dombau-Vereins“ und veröffentlichte „die Verzeichnisse der Mitglieder und der Beiträge (…); so, daß das `Kölner Domblatt´ in diesem amtlichen Theile ein vollständiges Archiv aller Bestrebungen und Leistungen des Central-Dombau-Vereins und der mit ihm verbundenen Hülfs-Vereine in ihrem ganzen Umfange“ darstellte.

Der zweite Teil sollte „die Geschichte der mittelalterlichen Baukunst im Allgemeinen behandeln, insbesondere aber alles das mittheilen, was uns über die Geschichte des Doms und seines Baues aufbewahrt blieb“. Er wollte „andeuten und auszuführen suchen, was in allgemein historischer und kunstgeschichtlicher Hinsicht auf unseren Dom oder sonst auf die Theorie und Technik der Kirchenbaukunst des Mittelalters Bezug hat, (…) Ansichten, Meinungen, Vorschläge u.s.w. jeder Art über den Modus des Fortbaues, die Beschaffung und Mehrung der Baumittel u.s.w. vorbringen, dabei jeder Überzeugung und Auffassungsweise freie Bewegung lassen, und keine andere ausschließen, als die dem Zwecke des Vereins, der Vollendung des Werkes selbst, offenbar widerstreitet.“

Das Domblatt diente also auch als Diskussionsforum, in dem über die Art und Weise der Fertigstellung des Doms gestritten wurde. Anfangs wöchentlich, später alle zwei Wochen aufgelegt, erschien das Vereinsorgan seit Beginn der 1870er Jahre in zunehmend größeren Abständen und enthielt immer weniger kunsthistorische Beiträge. Im Jahr 1877 erschien nur noch eine einzige Ausgabe, die lediglich aus Vorstandsprotokollen in Kurzfassung bestand. Reformbemühungen von August Reichensperger und Stadtarchivar Leonard Ennen, die potentiellen Verfassern von Aufsätzen für das Blatt einen finanziellen Anreiz in Form von Honoraren anbieten wollten, stießen auf den Widerstand einiger Vorstandsmitglieder, die eine Wiederbelebung des Domblatts nicht für nötig hielten. Zwar setzten sich Ennen und Reichensperger durch, aber nachdem sie 1878 wieder sechs Ausgaben verzeichnete, war die Zeitschrift schon 1880, im Jahr der Domvollendung, mit nur zwei Ausgaben erneut in der Krise. Nicht einmal der Festakt der Domvollendung im Oktober wurde mit einer Festschrift dokumentiert. Das nächste Domblatt erschien erst wieder 1882.

Die Historikerin Kathrin Pilger kommentierte diese Entwicklung in ihrem Buch über die Geschichte des Zentral-Dombau-Vereins* so: „Der Niedergang des Kölner Domblatts ist ein deutliches Zeichen für einen im ganzen nachlassenden Kommunikationsbedarf innerhalb des Vereins und hier besonders zwischen Vereinsführung und Mitgliederbasis. Von Seiten der Führungsspitze war man nicht darum bemüht, den Kontakt zu den Mitgliedern wieder zu intensivieren. Überspitzt gesagt, bestand im Jahrzehnt vor der Domvollendung der Verein nur noch aus seinen vierzig Vorstandsmitgliedern. Dieser elitäre Personenkreis besaß nicht zuletzt aufgrund der vollständig abgesicherten Finanzierung nur noch untergeordnetes Interesse an einer Breitenwirkung des Dombauprojekts. Wirtschaftsbürger wie Oppenheim vernachlässigten weitgehend den künstlerischen Aspekt des Dombaus, der ursprünglich eine wichtige Rolle für die Mitgliedermotivation gespielt hatte. Das Domblatt hatte damit als Mitteilungsorgan wie als publizistisches Zentrum der Kölner Domforschung seine Existenzberechtigung verloren

und mußte fortan nicht mehr zwangsläufig regelmäßig erscheinen.“

 

Domblatt-Pause 1893 – 1947

1880 war der Dom vollendet, aber die „Aufräumarbeiten“ (vor Allem der Abbau der Gerüste an den Türmen) dauerten noch Jahre. So wurde das Domblatt noch eine Zeitlang unregelmäßig bis 1885 und schließlich 1892 in einer mehrere Jahre zusammenfassenden Ausgabe aufgelegt, bevor es zunächst eingestellt wurde.

1902, als auch die zeitgleich mit dem Dombau laufende Domfreilegung zum Abschluss gekommen war, erklärte der Dombaumeister Karl Eduard Richard Voigtel voller Überzeugung, dass in den nächsten 100 Jahren keine wesentliche Restauration am Dom nötig sein würde.
Aber schon ein Jahr später warnte sein Nachfolger Bernhard Hertel in einem dicken Gutachten, dass der Domchor durch Witterungseinflüsse gefährdet sei. Und 1906 zeigte sich auf dramatische Weise und durch eine zweite Warnung, diesmal eine „von oben“, dass Voigtel sehr geirrt hatte: Ein Stück vom Flügel einer der Engelsfiguren am Wimperg des Dreikönigenportals (linkes Seitenportal der Westfassade) brach ab und stürzte den Seminaristen vor die Füße, die soeben den Dom nach dem Sonntagshochamt durchs Hauptportal verlassen wollten. Wunderbarerweise lenkte ein eben aufgespannter Regenschirm den Stein ab, so dass er niemanden verletzte. Seitdem aber war definitiv klar: Den Zentral-Dombau-Verein würde der Dom immer brauchen. Das Kölner Domblatt gab der Verein allerdings erst nach dem Zweiten Weltkrieg wieder heraus: Seit 1948 erscheint es jährlich jeweils im Dezember. Die Inhalte sind, wenn auch in wesentlich größerem Umfang und mit viel Aufwand produziert, denen in der ersten Ausgabe von 1842 beschriebenen im Großen und Ganzen gleich: Berichte über den Fortgang des Domerhalts, kunsthistorische Aufsätze und Essays zur mittelalterlichen Baukunst, insbesondere im Zusammenhang mit dem Kölner Dom und seiner Geschichte, und Berichte aus dem Verein, dem Domkapitel, der Dombauhütte und der Dombauverwaltung.

Seit einiger Zeit sind alle Domblattausgaben der Jahrgänge 1842 bis 1892 vollständig digitalisiert (Original-Abbildungen aller 2259 Seiten) auf der Internetpräsenz der Universitätsbibliothek Heidelberg zu finden.


*Kathrin Pilger: Der Kölner Zentral-Dombau-Verein im 19. Jahrhundert. Konstituierung des Bürgertums durch formale Organisaiton, Köln 2004, S. 263

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