Die Kölner Dombauhütte im 19. Jahrhundert

J. A. Ramboux

Der riesige Holzkran auf dem Stumpf des Südturmes war, nachdem der Dombau im 16. Jahrhundert zum Erliegen kam, für mehr als 300 Jahre Wahrzeichen der Stadt und Mahnung zugleich, den gewaltigen Bautorso eines Tages zu vollenden. Als Institution lebte die Domfabrik zwar fort, an der Kathedrale wurden in den folgenden Jahrhunderten aber nur noch kleinere Reparatur- und Wartungsarbeiten durchgeführt. Veränderungen erfuhr nur die Ausstattung. So errichtete man über zahlreichen mittelalterlichen Altären prächtige Barockretabel und an den Wänden Epitaphien für verstorbene Erzbischöfe, Angehörige des Domkapitels sowie andere Domgeistliche. Größere Baumaßnahmen gab es erst im 18. Jahrhundert, als unter Erzbischof Clemens August im unvollendeten Lang- und Querhaus hölzerne Tonnengewölbe eingebaut wurden. Zuvor waren diese Bereiche lediglich von offenen Dachstühlen überdeckt.

Mit dem Einmarsch der französischen Revolutionstruppen in Köln 1794 wurde auch die Domfabrik aufgelöst. Das Aktenarchiv wurde in Kisten verpackt und nach Paris verbracht. Seitdem ist es verschollen.

1823 wurde die Kölner Dombauhütte wiederbegründet. Es wird berichtet, dass zu den ersten Werkleuten auch solche gehörten, die bereits vor 1794 am Dombau gearbeitet hatten und somit für eine gewisse Kontinuität zwischen der alten und der neuen Dombauhütte sorgten. Unter Leitung der Dombauinspektoren Friedrich Adolf Ahlert (1822–1833) und Ernst Friedrich Zwirner (1833–1861) war die Dombauhütte etwa 20 Jahre lang zunächst mit der Sicherung des Bestandes und den ersten Vorbereitungen zu einem künftigen Fortbau des Domes beschäftigt.

1842 schließlich war es soweit. Am 4. September 1842 legte der preußische König Friedrich Wilhelm IV. den Grundstein zur Vollendung der Kathedrale. Ihre Vollendung sollte nach der Auffassung des Königs die Aufgabe aller Deutschen sein, ungeachtet welchen Landes und welcher Konfession. Damit war der Dom gleichsam Symbol für die Einigung der in mehr als einhundert Einzelstaaten zerfallenen Nation. Da der König den Dombau nicht alleine finanzieren konnte, wurde im selben Jahr der Zentral-Dombau-Verein gegründet, ein bürgerlicher Förderverein, der am Ende insgesamt etwa 60 Prozent der Kosten für die Domvollendung aufbrachte.

Unter der Leitung der Dombaumeister Ernst Friedrich Zwirner und Richard Voigtel (1861–1902) gelang es der Dombauhütte in nur 38 Jahren, den Bau zu vollenden. Zunächst wurden Lang- und Querhaus fertiggestellt. 1863 waren die Mittelschiffe eingewölbt und die alte Trennmauer, die seit dem 14. Jahrhundert den Domchor vom unvollendeten Rest des Domes abgetrennt hatte, konnte abgebrochen werden. Erstmals war der Innenraum in seiner ganzen Dimension erfahrbar. Anschließend wurden die Türme des Domes vollendet. Zu dieser Zeit arbeiteten zeitweise mehr als 500 Handwerker gleichzeitig in der Dombauhütte, die in einem großen Hüttengebäude ungefähr an der Stelle des heutigen Römisch-Germanischen Museums untergebracht war.

Auch wenn man bei der Domvollendung darum bemüht war, den Bau getreu der mittelalterlichen Pläne zu vollenden, setzte man im 19. Jahrhundert auf modernste Bautechnik. Windenwägen, die auf Eisenbahnschienen über die Gerüste der Baustelle fuhren, ermöglichten es, die Werkstücke schnell an ihren Bestimmungsort zu bringen. Hierfür wurde schließlich auch eine Dampfmaschine eingesetzt. Wie bereits im Mittelalter war der Dombau somit auch im 19. Jahrhundert wieder ein Innovationsbetrieb, an dem neue Techniken des Baues erpropt wurden. So sollen in der Zeit der Domvollendung Bauleute aus den USA, wo gerade die ersten Hochhäuser entstanden, nach Köln gekommen sein, um die riesigen Turmgerüste des Domes zu studieren. Noch heute gibt der kolossale, 1860 errichtete Eisendachstuhl, zu seiner Bauzeit eines der größten Eisenbauwerke Deutschlands, beredtes Zeugnis von den technischen Leistungen des Dombaues im 19. Jahrhundert.

Matthias Deml

Zurück

Historie und Architektur

Dombau zwischen Domvollendung und 2. Weltkrieg

Als 1880 der Kölner Dom vollendet war, bedeutete dies nicht das Ende der Arbeiten. Nachbes­se­rungen am Bau, der Abbau der Gerüste und die Vollendung der Ausstattung zogen sich noch gut 20 Jahre hin.

Weiterlesen …

Die Kölner Dombauhütte im 19. Jahrhundert

In nur 38 Jahren gelang es Dom­bau­meister Zwirner und Voigtel den Bau des Kölner Domes zu vollenden - mit Hilfe modernster Technik des 19. Jahrhunderts.

Weiterlesen …

Die Geschichte des Kölner Domblatts

Die erste Ausgabe der ältesten in Deutschland noch erscheinenden Zeitschrift mit kunsthistorischem Schwerpunkt erschien 1842 - das Kölner Domblatt.

Weiterlesen …

Die Kölner Dombauhütte im Mittelalter

Die Geburtsstunde der Kölner Dom­bauhütte ist der 15.8.1248. Schon immer war die Hütte ein Ort von Fortschritt und technischer Innovation. Der Domkran – einer der größten Maschinen seiner Zeit.

Weiterlesen …

Die bisherigen Präsidenten

Ob gemeiner Justizrat, Stadtbaurat oder Bankdirektor - Bürgerliches Engagement im Ehrenamt verbindet alle Präsidenten des ZDV.

Weiterlesen …

Kölner Dom in kuriosen Zahlen

Wie schwer ist der Kölner Dom? Wie groß ist seine Fensterfläche? Kuriose und interessante Fakten für große und kleine Dombaufreunde.

Weiterlesen …